Pornofilme sind gar kein Kino

«Por NO!» hiess vor fast einem Jahrzehnt das Geschütz, welches die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer zusammen mit ihren Schwestern von «Emma», gegen die Porno-Industrie in Stellung brachte.

Verschwunden ist er deswegen nicht, der pornographische Zirkus; trotzdem, der Aufruhr half mit, anstehende Veränderungen zu beschleunigen, in deren Verlauf sich das «System Porno» dem Mainstream weit annäherte, bis es sich schliesslich deckungsgleich mit den Common-Sense-Auflagen des sozialdemokratischen Gutmenschentums wiederfand.

Das heisst: Porno ist gesellschaftsfähig, und in den 90er Jahren auch offiziell ein stinknomales Geschäft geworden.

Jenes Genre, das sich einmal rühmte, schamlos gerade das zu zeigen, was andere nicht zeigen wollten, hat 1999, wo es tunlichst jede Überschreitung meidet bzw. nicht unangenehm auffallen möchte, seine Daseinsberechtigung verloren.

Andersrum gefragt: Was könnte denn heute pornographischer sein als beispielsweise ein Film wie «Armageddon»?

Rocco Siffredi ist ein Pornodarsteller. Der erfolgreichste Mann in Europas Sexfilm-Industrie.

Seine Berufung besteht darin, Frauen vor der Kamera und Männern vor dem TV-Bildschirm zum Orgasmus zu verhelfen.

Er hatte Sex mit mehr als 4000 Frauen, und weil sich Filme, in denen Siffredi agiert, ganz besonders gut verkaufen, ist er auch in diesem Jahr als Schauspieler und Produzent in gleich fünf Kategorien für den Hot d’Or, den Oscar der Pornoindustrie, nominiert.

Es ist die Zeit der Filmfestspiele in Cannes, und nirgendwo geht es so überdreht zu wie im Hotel Royal, das die Pornomacher für die Verleihung des Hot d’Or zwei Tage lang in eine Art Alternativ-Universum transformiert haben: Männer verstecken ihre Muskelberge unter Phantasie-Smokings; die Frauen tragen entweder nichts oder so wenig, dass sie den Stoff schnell beiseite schieben können, sobald sich eine der allgegenwärtigen Kameras nähert.

Schon heute sind die Starlets, die das Straßenbild der Filmfestspiele in Cannes aufpeppen, zu einer Art Symbol dafür geworden, dass sich die Popkultur ihre Themen, Bilder und Attitüde immer häufiger in der Hardcore-Branche sucht:

Der Preisträger des Goldenen Bären, Paul Thomas Anderson, begann seine Karriere mit “Boogie Nights“, einer großartigen Hommage an die Pornoindustrie der siebziger Jahre; der Pornoveteran Ron Jeremy warb in einem TV-Spot für Diesel-Jeans; die deutsche Frauenband Lemonbabies posierte nackt auf dem Cover ihrer CD und nannte das Werk “Porno”; Dolly Buster hält auf dem Wiener Opernball Hof; die Hollywood-Schauspieler Charlie Sheen und Emilio Estevez haben TV-Film über die Mitchell-Brüder abgedreht, zwei Pioniere der Pornobranche.

Das Genre genießt inzwischen sogar akademische Weihen: “Pornofilme sind auch Teil der populären Kultur”, sagt die amerikanische Dozentin Constance Penley, die an der University of California einen Pornofilmkurs anbietet.

“Sie sollten genauso akzeptiert werden wie Mode oder Musik. Es mag sein, dass Pornos rassistisch, sexistisch und homophob sind. Aber das sind Mainstream-Filme in noch viel stärkerem Maße.”

Und Feministin Breillat glaubt sogar an die emanzipatorische Kraft der Pornografie. “Sex”, sagt sie, “beutet dich nicht aus. Er transformiert dich, er kann dir helfen, dich selbst zu finden – egal wie erniedrigend oder pornografisch er ist.”

Na denn…

Ähnliche Artikel:

  1. Porno mehr Umsatz als Film und Musik Industrie
  2. Porno Guide Teil 2 – Perlen des Genre-Porno
  3. Cumshots – Höhepunkte der Pornofilme
  4. MAGMAFILM

Einen Kommentar schreiben

du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.


Werbung