Aids – HIV-Risiken im Pornobusiness
Die HIV-Infektion des US-Pornodarstellers Darren James bringt DAS PORN-BIZ in Aufruhr.
Was ist geschehen? Was sind die Folgen?
Orgazmik hat eine Regisseurin und einen Produktionsleiter zu der Thematik der Gesundheits-Tests in der Pornobranche befragt und interessante Details vernommen.
Der amerikanische Porno-Darsteller Darren James hat sich im April 2004 in Brasilien mit dem HI-Virus infiziert.
Die US-Sexbranche ist in Aufruhr, da er bis zu seinem letzten positiven Test noch mit etlichen Darstellerinnen ungeschützten Sex hatte und diese womöglich sich auch angesteckt haben.
Die Pornostudios im San Fernando Valley bei Los Angeles, die mehr als 1.200 Sexdarsteller beschäftigen, hatten wegen des HIV-Falls am Donnerstag eine zweimonatige Drehpause eingelegt.
In dieser Zeit sollen alle Akteure erneut getestet werden. Für die ansonsten florierende US-Pornobranche, die täglich drei bis vier neue Filme produziert, bedeutet das Aids-Moratorium Verluste in Millionenhöhe.
Bislang hätten nur 17 Prozent der Pornodarsteller in den USA beim Dreh Kondome benutzt, erklärte die Leiterin der eigens im San Fernando Valley geschaffenen Klinik für Sexschauspieler, Elizabeth Mitchell.
Der jetzt mit HIV diagnostizierte Sex-Star Darren James könnte das Virus in den letzten drei Wochen bei Dreharbeiten an 14 Darstellerinnen weitergegeben haben, die wiederum mindestens 40 Männer angesteckt haben könnten, rechnete die Klinik vor.
Nachdem bereits über 53 amerikanische Darstellerinnen und Darsteller unter Quarantäne gestellt wurden, weil sie mit Mr. James nach seiner Infizierung ungeschützten Sex vor rollenden Kameras hatten, hielten sich nicht alle an diese Arbeitspause.
So wurde der Popper Jay Ashley in Prag auf einem Set gesichtet, wo er fröhlich ungeschützten Sex mit jungen Tschechinnen praktizierte.
Fazit: Vier amerikanische Pornodarsteller haben sich bisher mit dem HI-Virus angesteckt. Während sich in den USA die Gemüter ab solchem unverantwortlichem Verhalten erhitzen, fragt man sich, wie man in Europa mit diesem Thema umgeht.
Die Franzosen stülpen sich auf Druck des französischen Pay-TV Senders Canal+ schon lange die Badekappe über die Eichel. Ohne Gummi-Einsatz wird kein Film über diesen Sender flimmern. Andere Produzenten schwören auf die gummifreie Zone, weil sie ihren Absatzmarkt gefährdet sehen, wenn der Pimmel in der Plastiktütte steckt.
Sind also die Mehrzahl der Pornokonsumenten zu Hause auf dem Sofa der Grund dafür, dass die Produzenten dem gummifreien Gesetz des Marktes nachgeben?
Orgazmik hat Anita Rinaldi, Ex-Darstellerin und heute Regisseurin sowie Klaus Goldberg, Produktionsleiter bei der deutschen Magmafilm nach ihren Meinungen befragt.
Die ungarische Anita Rinaldi, die mittlerweile als Produzentin und namhafte Regisseurin ihr Talent hinter der Kamera für Produktionsfirmen wie VIVID und PRIVATE zur Verfügung stellt, gilt als engagierte Power-Frau.
Sie hat bereits 1999 die ziemlich desolate Test-Situation in der ungarischen Sexbranche erkannt und ihre amerikanische Kollegin Sharon Mitchell nach Budapest eingeladen.
Die Mitte der 90er Jahre als Mutter Theresa der Pornoindustrie verhöhnte Mitchell hat mittlerweile in den USA die Beratungsstelle für Sexgwerbler aufgebaut: die AIM Healthcare Foundation.
In Budapest organisierte Rinadli Workshops mit Darstellern und besichtigte mit Mitchell diverse Schnelltest-Praxen, welche in wenigen Stunden HIV und Hepatitis C Testergebnisse auf den Tisch legen.
Mitchell resümierte damals ihren Besuch mit der Bemerkung, dass im Ostblock noch viel Aufklärungsarbeit und zentrale Anlaufstellen nötig seien, um unter anderem die eher etwas aus den Fugen geratene Hepatitis C Welle in den Griff zu bekommen.
Klaus Goldberg ist der sympathische Casting-Onkel und strenge Produktionsleiter bei “Magmafilm” und “Tabu & Love” in Essen, Deutschland.
Er hat die Nase und das Gespühr mit seinen Assistenten die Küken von der Strasse zu holen. Anja Juliette Laval, Tyra Misoux, Susi Webstar oder die an der Berlinale 04 zu Ehre gekommene Sibel Kekilli sind von Goldberg & Co. entdeckt worden und erfreuen das Herz und die Lenden der deutschen Männer auf den Sofas.
Dank der Stars und Sternchen, der professionellen Arbeitsweise und ansehnlichen Filme, ist die Firma zum beliebten “journalistischen Streicheltierchen” verschiedenster Redaktoren geworden.
ORGAZMIK: Was ist eure Meinung zum Fall Darren James?
Anita Rinaldi: Schwierig etwas darüber zu sagen. Wir wissen ja nicht mal, ob die Person, bei der James sich angesteckt hat, überhaupt einen gültigen Test hatte. Ich muss einfach nochmals darauf hinweisen, dass wir es hier mit erwachsenen Personen zu tun haben, welche selber für sich verantwortlich sind. Es ist nun mal ein Risikojob und wir wissen alle, wie schnell man sich in diesem Geschäft mit Krankheiten anstecken kann.
Klaus Goldberg: Das Risiko in Brasilien zu drehen ist eigentlich schon unverantwortlich, da ja bekanntlich dort sehr lau mit Tests etc. gearbeitet wird. Es beweist wieder einmal, dass ein Darsteller nicht den Hals bzw. Geldbeutel voll kriegen konnte.
ORGAZMIK: Ein negativer Test bedingt, dass die Darsteller sich in der Zwischenzeit bis zum nächsten Drehtermin “keusch” resp. “geschützt” in Sachen Sex verhalten. Glaubt ihr ein negativer Test ist somit eine verlässliche Garantie für die Gesundheit – wie steht es mit dem Restrisiko bis zum Drehtermin?
Anita Rinaldi: Da ist ganz klar ein “blinder Zeitraum” vorhanden. Der ELISA Schnelltest, den die Darsteller hier in Europa mehrheitlich machen, zeigt die Antikörper eines Viruses.
Es kann aber mehrere Wochen dauern, bis der Infekt genügend Antikörper im Blut aktiviert und der ELISA Test dementsprechend positiv darauf reagiert. Ein anderes Problem mit der ELISA Methode ist auch, dass, wenn man eine ganz normale Grippe hat, das Abwehrsystem die gleichen Antikörper kreiert, um die Grippenviren zu bekämpfen. Das bedeutet wiederum, dass man einen positiven ELISA Test haben könnte und trotzdem keine HIV Infektion hat.
Klaus Goldberg: Ein Risiko ist immer vorhanden, davor schützt auch kein Test. Klarer Menschenverstand, respektabler Umgang mit seinen Kollegen, Eigendisziplin, das sind Kriterien die angewandt werden müssen. Leider trifft das aber auf die wenigsten zu. Gerade bei männlichen Darstellern ist der Trieb so gross, dass sie eigentlich so alles ficken was nicht schnell genug auf die Bäume kommt.
ORGAZMIK: Damit das Risiko, dass bei solchen Schnelltests wie ELISA gepfuscht wird, ausgeschaltet wird, glaubt ihr es bräuchte für die europäische Pornofilmbranche sowas wie eine zentrale, seriöse Beratungs- und medizinische Kontrollstelle?
Anita Rinaldi: Ich habe versucht möglichst viele Darsteller hier in Europa auf die unterschiedlichen Testmethoden zu sensibilisieren. Sie haben auch die Möglichkeit mit einem etwas teureren und zeitaufwendigeren PCR/DNA Test ein verlässleriches Resultat zu bekommen. Der ist aber ziemlich kostspieliger. Ich muss sagen, ich bin froh, dass ich die Darsteller darauf aufmerksam gemacht habe.
Der Rest ist ihre Sache, was sie damit anfangen. Als Produzentin bestehe ich darauf, dass sie PCR/DNA Tests auf mein Set mitbringen (PCR: polymerasische Kettenreaktion). Die Folge war, dass sie mir sagten, wenn ich dafür bezahle, würden sie sich solchen Tests unterziehen.
Klaus Goldberg: Wir bei Magma arbeiten mit einen Labor zusammen, das auch über Fachärzte verfügt. Daher stehen wir ständig im Austausch neuster Erkenntnisse betreffend HIV und anderen Krankheiten die übertragbar sind. Selbst der Test in diesem Labor ist weitaus gründlicher als der übliche ELISA Test.
Zukünftig werden wir auch kein ELISA Test mehr akzeptieren. Ausserdem verlangen wir auch einen Hepatitis C Test. Eine Kontrollstelle wäre natürlich sehr gut, aber es gibt eine enorme Dunkelziffer an Darstellern die ihren Job nur ab und zu machen und sich nicht in dieser Kontrollstelle registrieren lassen würden.
ORGAZMIK: Nach der Aufklärungsarbeit liegt schlussendlich die Verantwortung bei den Dastellern selber.
Anita Rinaldi: Natürlich. Das grösste Risiko geht von den Neueinsteigern aus. Wenn wir nicht wissen, ob sie sich bewusst sind, was für ein gesundheitliches Risiko sie mit sich selber eingehen, wie steht es dann mit der Verantwortung gegenüber ihren Arbeitskollegen aus, die den Beruf nicht nur als Mittel zum schnellen Geld ausgesucht haben, sondern schon seit Jahren verantwortungsbewusst darin arbeiten?
Beim Casting verlange ich schon einen ersten Test. Wenn der Dreh dann losgeht, müssen sie mir dann einen Aktuellen nochmals zeigen und zwar im Original. Ich mache davon nochmals eine Kopie für meine Unterlagen. Ebenso habe ich angefangen auf meinem Set auch Hepatitis C Tests zu verlangen.
Klaus Goldberg: Dazu gehört eine grosse Portion Disziplin am Set und auch im Privatleben. Ein positiver Aspekt ist, das wir in Deutschland noch keinen HIV positiven Fall hatten. Viele Darsteller jedoch reisen in die USA und arbeiten dort bei No-Name Produktionen denen es egal ist, ob ein Test vorhanden ist oder nicht. Wir, bei der Magma und Tabu, achten sehr darauf dass niemand am Set ohne Test ist. Wir haben auch schon Darsteller direkt ins Labor gefahren um einen Test machen zu lassen um auf Nummer Sicher zu gehen.
ORGAZMIK: Was haltet ihr vom Thema “Safe Sex”, also das Tragen von Gummis in Pornos?
Anita Rinaldi: Ich habe für VIVID in den USA fünf Jahre lang gearbeitet. Sie bestehen darauf, dass man in ihren Produktionen Kondome benutzt. Es hat kein bischen die Intensität der Sexszenen beeinträchtigt. Es gibt mittlerweile so viele verschiedene Arten von Kondomen, da muss man schon verdammt genau hingucken, dass man die überhaupt noch sieht. Es wäre also kein Problem solche “unsichtbaren” Sorten in allen Pornos zu benutzen.
Klaus Goldberg: Ich selber hätte damit keine Probleme, nur der Konsument hat damit Probleme, daher werden Filme mit Kondom nur sehr selten akzeptiert.
ORGAZMIK: Glaubt ihr also, dass das Tragen von Kondomen für viele Konsumenten ein Ablöscher ist und sich negativ auf dem Absatzmarkt für die Produzenten auswirkt?
Anita Rinaldi: Selbst wenn einmal alle Männer in Sexfilmen Kondome benutzen werden, wird es immer Produzenten geben, welche die Regeln des Spiels brechen werden und ihre Filme als “Kondom frei” anpreisen – und ja, diese Leute werden mehr Kohle machen, als jene, welche sich für den “Safe Sex” Markt entschieden haben.
Klaus Goldberg: Wie gesagt, keiner der Konsument sieht gerne Kondome, geschweige denn benutzt selbst welche. Neuste Umfragen haben bewiesen, dass selbst junge Leute Kondommuffel sind. Ich möchte jedoch erwähnen, dass auch ein Kondom nicht 100% schützt. Denn bei heftiger Penetration können Kondome auch abrutschen oder gar platzen.
Darren James: HIV-Infizierung mit Folgen …
26. 4. 2004 – Seit sieben Jahren hat sich Darren James alle drei Wochen auf den HI-Virus testen lassen. Diese häufigen Untersuchungen sind in den USA unter den amerikanischen Darstellern üblich. Doch obwohl solche häufigen Tests lobenswert sind, schützen sie nicht vor der Ansteckung mit dem tödlichen Virus.
Am 13. April 2004 war das Testergebnis von Darren James positiv, was für ihn und die mit ihm drehten äußerst negative Folgen hatte. Es wurde eine Liste von Leuten erstellt, die mit ihm sexuell verkehrten. Circa 10 Frauen könnten sich dadurch ebenfalls infiziert haben. Des weiteren sind rund 50 Männer in Gefahr, die wiederum mit diesen Darstellerinnen Sex hatten.
Für die Darstellerin Lara Roxx, die erst seit drei Monaten im Geschäft ist, ist die Bedrohung leider Realität geworden. Sie hat sich bei Darren direkt angesteckt. Mark Anthony ist ebenfalls noch in Gefahr, denn er drehte mit Lara Roxx und Darren James eine Szene in der beide Männer die Frau gleichzeitig anal penetrierten, was eine Ansteckung möglich macht.
Nun geht die Angst um in den Pornostudios des San Fernando Valley bei Los Angeles. Insgesamt mehr als 1200 Sexdarsteller sind dort beschäftigt. Neben dem menschlichen Leid und der generellen Rufschädigung, entstand auch ein hoher finanzieller Verlust für die Branche: Normalerweise verlassen ca. 4-5 neue Pornos die Studios, doch nun schließen bis Juni viele Produktionsfirmen ihre Tore. Da der Virus erst nach Monaten sicher nachweisbar ist, verließen mehrer Darsteller, darunter die deutsche Katja Kassin, die USA bis auf weiteres.
Und natürlich müssen sich die Produzenten fragen, wäre das alles vermeidbar gewesen. Bislang hätten nur 17 Prozent der Pornodarsteller in den USA beim Dreh Kondome benutzt, sagt die Leiterin der extra im San Fernando Valley geschaffenen Klinik für Sexschauspieler, Elizabeth Mitchell. Um HIV-Infektionen künftig zu verhindern, müssten alle Produktionsfirmen mitziehen und ausschließlich Filme mit Gummi herstellen.
Zur Person VON DARREN JAMES:
Er war ein alter Hase. In der Szene genoss der schwarze Darsteller einen guten Ruf. Frauen wie Katja Kassin drehten gern mit Darren, weil er sie vor und hinter der Kamera gentlemanlike behandelte.
Nach Tony Montana, der Darsteller der sich 1999 infiziert hatte, ist Darren der erste Pornostar, der sich seitdem mit HIV angesteckt hat. Wahrscheinlich ist, dass sich Darren James den Virus durch ungeschützten Anal-Verkehr im März in Brasilien holte. Ein sehr giftiger Spinnenbiss, den er dort kurz zuvor erlitt, könnte sein Immunsystem so geschwächt haben, dass der HI-Virus ein leichtes Spiel hatte.
Anders als in den Staaten gibt es in Latein-Amerika viel mehr Infizierte. Zum Beispiel sind 96 Prozent aller Prostituierten in Brasilien vom HI-Virus betroffen. Einige von ihnen arbeiten auch als Pornodarsteller.
Jeder kann sich vor einem Dreh auf dem Schwarzmarkt auch gefälschte HIV-Testergebnisse besorgen.
INFORMATIONEN ZUR AIDS Vorsorge:
Safer Sex ist die einzige wirksame Methode, um beim Sex eine Infektion mit HIV sowie mit vielen der anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu vermeiden.
Safer Sex heißt, sich stets so zu verhalten, dass eigene Samenflüssigkeit, Scheidenflüssigkeit, Blut oder Blutspuren nicht in den Körper der Partnerin oder des Partners gelangen, und dass umgekehrt solche Körperflüssigkeiten nicht in den eigenen Körper gelangen. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß “geschützter Sex”.
Sie können Schutz beim Sex dadurch erreichen, dass Sie
- beim Sex nicht in den Körper des Partners oder der Partnerin eindringen,
- bzw. bei eindringendem Sex Kondome benutzen,
- und Samen- oder Scheidenflüssigkeit nicht in den Mund aufnehmen
- bzw. beim Mundverkehr Kondome oder “Lecktücher” benutzen.
Dies gilt ganz allgemein für den Schutz vor Ansteckung.
Wie Sie sich bei den einzelnen Sexualpraktiken oder Ihren speziellen Vorlieben beim Sex schützen können, können Sie aus diesen Grundregeln ableiten (wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich am besten persönlich beraten).
Auch bei anderen als sexuellen Kontakten, etwa bei der Ersten Hilfe oder (bei Drogenkonsumenten) beim gemeinsamen Benutzen von Spritzbestecken heißt Schutz vor HIV, dass Sie das Eindringen von fremder Samenflüssigkeit, Scheidenflüssigkeit, Blut oder Blutspuren in den eigenen Körper vermeiden.
> Mehr Infos zu dem Thema AIDS und Möglichkeiten sich zu schützen: www.aidshilfe.de
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